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»Face2Facebook«

von Tino Dobra
Funktionen sozialer Netze im Web werden mittels digitaler Technik auf den menschlichen Körper erweitert. Persönliche Informationen wie Freundeslisten können dazu über das Handy (via Bluetooth) automatisch übertragen werden.

Soziale Netze


Es zeigt sich, dass soziale Netze von ihrer Struktur oft sog. „Kleine-Welt-Netzwerke“ (nach Stanley Milgram) bilden, in denen die maximale Distanz zwischen einzelnen Einheiten überraschend gering ist.
Eines der größten sozialen Netze im Web ist Facebook, eine werbefinanzierte Internetplattform, auf der Mitglieder ein Profil anlegen und Kontakte zu anderen Schülern bzw. Studenten pflegen können. Unter anderem können Fotoalben angelegt, Gruppen gegründet und Mitteilungen gesendet werden. Die Anzahl der gelisteten Freunde dient dort auch als Indikator für sozialen Status: je mehr Freunde ein User hat, desto beliebter scheint er. Doch die Hemmschwelle, neue „Freunde“ auf diese Liste einzuladen, ist deshalb gering. Im Zweifelsfall akzeptiert man eine Einladung eher, auch wenn man die einzelne Person gar nicht kennt.

Die Idee: körperliche Nähe als Indikator für Freundschaft

Face2Facebook


Bei diesem Konzept werden die Möglichkeiten der Web-Plattform Facebook in die reale Welt übertragen. Das Verwalten der Freundesliste geschieht durch körperlichen Kontakt und Bekannte werden in näherer Umgebung automatisch gesucht. Die Funktionen digitaler sozialer Netze werden somit an den eigenen Körper gebunden.

wählerisch: neue Freunde werden durch körperliche Nähe gespeichert
einfach: Freunde von Freunden werden in der Umgebung angezeigt

Funktionsweise


Über ein Plug-In auf der Facebook-Webseite kann dem eigenen Handy eine eindeutige Identifikation gegeben werden. Diese ID wird durch ein Java-Programm auf dem Handy gespeichert und ständig über Funk (Bluetooth) anderen Geräten mitgeteilt. Das Handy ist zwar für alle sichtbar, doch wird der reale Name des Facebook-Users nur seinen Freunden angezeigt.

sind die Handys weniger als einen Meter voneinander entfernt...
...ist die Signalstärke meist größer als 6 dB
Bei engem körperlichem Kontakt (zum Beispiel einer Umarmung) wird der Gegenüber auf die Freundesliste eingeladen. Die Signalstärke der Bluetooth-Verbindung wird hierzu zur groben Entfernungsmessung ausgewertet. Rechnerisch ergibt sich eine Abnahme der Signalstärke in quadratischer Größe zur Entfernung.

Java-Applet auf dem Handy
die eigene ID wird gesendet und nach Kontakten wird in Reichweite gesucht
Andere Handys werden in der Bluetooth-Reichweite von ungefähr 10 Metern automatisch gesucht und die gefundenen Handy-Bezeichnungen mit den Freundeslisten der eigenen Freunde verglichen. Ist ein Freund eines Freundes gefunden, wird eine Verbindung auf dem Display angezeigt. Die Kommunikation mit zuvor Fremden wird angeregt, denn es ist nicht erkennbar, wer in der Umgebung dieser neue Kontakt ist.

Ergebnis


Dadurch, dass die Funktionen sozialer Netzwerke im Web an den eigenen Körper gebunden werden, steigt die Hemmschwelle, neue Kontakte zu speichern. Gleichzeitig können aber „Kleine-Welt-Netzwerke“ im Alltag schneller erkannt werden. Eine Kommunikation von „Angesicht zu Angesicht“ ist einerseits wählerischer als auf einer Web-Plattform aber werden Funktionen aus diesen digitalen Netzen in den realen Raum exportiert, kann auch Kommunikation angeregt werden.